Wanderer auf dem Berg

Kurze Beine, lange Beine oder gar unterschiedliche Beinlängen?

Neben den im letzten Beitrag erläuterten Beinachsen und deren Fehlstellung in Form von O- und X-Beinen gibt es ein weiteres Phänomen, welches sehr viele Menschen betrifft, unabhängig davon welcher Sport ausgeübt wird: die unterschiedliche Beinlänge.
Beinlängenunterschied und mögliche Ursachen

Je nachdem wie ausgeprägt dies ist, kann man die unterschiedliche Beinlänge beispielsweise daran erkennen, dass bei Hosen der hintere untere Saum des Hosenbeins „ausfranst“. Einige finden das trendy, für andere ist das ein unliebsamer Grund, die kaputten Hosen auszusortieren. Etwa die Hälfte aller Menschen hat einen Beinlängenunterschied von bis zu 1 cm. Diese Differenz hat selten einen Krankheitswert und muss dann auch nicht behandelt werden.

Ist der Unterschied bei den Beinlängen jedoch sehr groß, kann das zu einer erheblichen Belastung des Knochengerüsts und Abnutzungserscheinungen in den Gelenken führen. Das führt oft zu einem ausgleichenden Beckenschiefstand, der jedoch zum weiteren Gelenkverschleiß beiträgt sowie die Lenden-, Brust- und Halswirbelsäule beeinflusst. Die Folge: eine instabile Wirbelsäule.

So unterschiedlich die Beinlängen, so verschieden die Ursachen. Anatomische Gründe dafür gibt es zahlreiche: aufgrund von Wachstumsstörungen können beispielsweise Defektmissbildungen, Dysplasien, Klumpfüße, Schädigungen der Wachstumsfugen bei Kindern, Kinderlähmung oder Knochenbrüche die Ursache sein.

Daneben gibt es wachstumsunabhängige Ursachen wie Becken- oder Beinbrüche, Arthrosen im Fußgelenk, Knie oder Hüfte, Gelenksoperationen, sowie Instabilitäten im Kniegelenk wie etwa bei einseitigen X- oder O-Beinen.

Eine Beinlängendifferenz kann aber auch funktionelle Ursachen haben. Damit verbunden sind Haltungsschäden, Muskelverkürzungen oder -überdehnungen, Muskelverhärtungen oder -schwächen im Oberschenkel, im Becken- und Kreuzbereich oder in der Brust- und Halswirbelsäule oder Beckenverwringungen. Sogar Fehlstellungen des Kiefers können eine Beinlängendifferenz bewirken.

Beinlängenunterschied korrigieren

Was raten die Experten in solchen Fällen? Zu den Lösungsansätzen eines Beinlängenunterschieds muss nicht immer die operative Methode gehören, auch orthopädische Einlagen oder eine Schuherhöhung können den Druck von den zuvor überbelasteten Gelenken nehmen.

Quelle: http://wiki.ifs-tud.de/fm/ps_fometh2/ss2015/gruppe3

Erst ab einer Differenz von 2-3 Zentimeter sollte ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden. Dabei wird grundsätzlich empfohlen, das kürzere Bein zu verlängern. Nur in Ausnahmefällen ist eine Verkürzungsosteotomie des längeren Beins in Betracht zu ziehen.

Generell gilt: Eine Überkorrektur sollte vermieden und eher 0,5 cm weniger ausgeglichen werden. Doch auch hier ist Aufmerksamkeit geboten. Das Becken kann einen Beinlängenunterschied so ausgleichen, dass die Wirbelsäule gerade und gestreckt ist und nicht vom Lot abweicht. Falls die Wirbelsäule gegen das längere Bein abweicht, sollte man eine Beinlängendifferenz und einen Beckenschiefstand ebenfalls nicht korrigieren. Das mögliche Risiko dabei ist nämlich, dass eine Korrektur die Skoliose, die seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule, verstärken kann.

Gleiche Beinlänge nach Hüftgelenkersatz

Zurück zur operativen Methode. Eine von vielen Möglichkeiten, die Beinlänge auszugleichen, ist der künstliche Hüftgelenkersatz. Bei einer Gonarthrose und unterschiedlich gewachsenen Beinen kann der Chirurg bei der präoperativen Planung mit verschieden langen Schaftimplantaten und deren Positionierung einen Beinlängenausgleich simulieren. Ist das passende Implantat gewählt und weiß der Chirurg, wie tief die Schaftprothese im Oberschenkelknochen eingesetzt werden muss, kann er dies auch bei der OP umsetzen. Dann ist abschließend nicht nur die Folge des Beinlängenunterschieds behoben, sondern auch die Ursache für die Überbelastung.

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