Online oder persönlich: Wie finde ich den „richtigen“ Arzt?

Eins vorneweg: Unsere Weblog-Redaktion verfolgt hier keinen Anspruch auf eine genaue Recherche nach dem „richtigen“ Arzt. Solches maßen wir uns nicht an. Allerdings brauchen wir auch ab und zu einen kompetenten Mediziner. Und immer wieder stellen Mann und Frau sich die Frage: An wen wende ich mich im akuten Fall?
Freie Arztwahl in Deutschland

In Deutschland ist die freie Ärztewahl gesetzlich verankert. Diese Freiheit gestaltet die Suche nach dem geeigneten Spezialisten jedoch nicht einfacher. Bislang mangelt es an empfehlenswerten Testberichten und Ärztelisten. In anderen Branchen, wie beispielsweise in der Gastronomie, sind solche weit verbreitet.

Portale im Internet

Spezielle Portale im Internet zur Arztsuche können Ihnen eine Übersicht geben. Praktisch ist auch, dass Ihnen Adresse, Weblink und Öffnungszeiten der gesuchten Praxis angezeigt werden.

Mittels eines Suchfilters können Sie die Zahl der Ergebnisse eingrenzen und beispielsweise direkt nach Fachrichtung oder Namen des Arztes suchen. Eine gute Funktion ist auch die Umkreissuche, mit der Sie nur die regional ansässigen Praxen oder Krankenhäuser angezeigt bekommen.

Neben diesen objektiven Merkmalen sind in einigen Portalen auch Bewertungen hinterlegt. Diese basieren zumeist auf Fragebögen der Patienten, zusätzlich kann man auch Einzelbewertungen nachlesen. Zum gesuchten Arzt bekommt man Bewertungskriterien, wie Sterne oder Schulnoten, angezeigt.

Wichtig, aber mit Vorsicht zu genießen!

Die meisten Portale werden kommerziell betrieben. Wer also dort objektive Meinungen und Bewertungen erwartet, wird enttäuscht. Ähnlich wie bei Google können sich Ärzte im Ranking nach oben kaufen, in dem sie z.B. Anzeigen schalten oder „Premium“ Einträge erwerben.

Eine weitere Schwäche ist die statistische Signifikanz. Aus zu wenigen Einzelbewertungen wird auf die Grundgesamtheit geschlossen. Bei der Suche nach meinem Hausarzt habe ich festgestellt, dass dieser in den meisten Bewertungs-Portalen gar nicht bzw. mit weniger als fünf Beurteilungen gelistet ist. Da stellt sich mir nun die Frage nach gut oder schlecht – und dass obwohl ich mit meinem Hausarzt zufrieden bin. Wahrscheinlich ist dies auch der Grund dafür, dass die Motivation, meinen Arzt zu bewerten, eher gering ist. Wurde ich schlecht behandelt, erzähle ich das eher als wenn alles ok war. Und: Nicht nur schlechte Nachrichten verbreiten sich schneller, sondern auch schlechte Bewertungen.

Um möglichst viele Bewertungen zu bekommen, müssen es die Portalbetreiber den Patienten möglichst leicht machen. Das ist aber auch gleichzeitig ein weiteres Manko: Wie können Fragebögen mit teilweise weniger als zehn Fragen genaue Bewertungen abbilden?

Immerhin ist bei den meisten Portalen eine Registrierung notwendig. Diese soll dazu dienen, Kritiken mit unangemessenem Umgangston sowie Eigen- und Mehrfachbewertungen zu verhindern. Sucht man in Webforen nach Erfahrungen von Portalnutzern, findet man aber auch immer wieder Berichte darüber, dass negative Bewertungen zurückgewiesen werden und Beweise von Patienten gefordert bzw. nicht anerkannt werden.

Gegendarstellungen von Ärzten zu negativen Bewertungen habe ich leider vergeblich gesucht. Ähnlich wie bei Ebay oder Amazon Marketplace sollte doch den Anbietern = Ärzten daran gelegen sein, schlechte Beurteilungen richtig zu stellen bzw. zu kommentieren. Denn nur mit beiden Meinungen kann ich die Relevanz einer solchen Bewertung einschätzen.

Dass also alle Bewertungsportale rein subjektiv sind, brauche ich an dieser Stelle nicht explizit herauszustellen. Welche Alternativen gibt es noch?

Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld

Eine gute Idee kann sein, Familienmitglieder, Freunde und Arbeitskollegen nach ihren Erfahrungen zu fragen. Gerade bei einem ähnlichen Krankheitsbild können persönliche Bewertungen, trotz ihrer Subjektivität, sehr hilfreich sein. Fragen Sie jedoch auch, welche Kriterien der Ratgeber anwendet. So hat jeder Patient unterschiedliche Ansprüche und persönliche Parameter, an denen er die Leistung des Arztes bewertet. Erst kürzlich habe ich meinen Top-Zahnarzt weiterempfohlen und mein Kollege sagte nach seinem Termin: „nie wieder“.

Möchte man einen Termin beim Facharzt empfiehlt es sich, vorher den Hausarzt aufzusuchen und nach einer Überweisung zu fragen. Dies ist kein muss, aber bei dieser Gelegenheit kann natürlich auch der Hausarzt selber um eine Auskunft gebeten werden. Dieser darf zwar nicht von sich aus Empfehlungen aussprechen, aber bei direkter Nachfrage Ihrerseits ist ihm dies gestattet (Link). Wenn Sie die Methoden, den Rat und die Anwendung Ihres Allgemeinmediziners schätzen, wird er Ihnen möglicherweise einen Kollegen mit ähnlichem Hintergrund empfehlen.

Als ich versucht habe, meine Krankenkasse nach einem Arzt zu befragen, wurde mir gesagt, dass sie eine Empfehlung leider nicht aussprechen dürfen. Die Kriterien der gesetzlichen Krankenkassen enden bei der Frage „Kassenzulassung ja oder nein“. Viele Krankenkassen bieten auf ihrer Homepage dennoch eine Arztsuche an, entweder eine eigene oder ein Verweis auf z.B. die „Weiße Liste“ oder die der Stiftung Gesundheit, beide nicht-kommerziell.

Persönliche Kriterien

Fazit: Machen Sie sich vorab Gedanken über Ihre individuellen Anforderungen an den Arzt. Keine Liste im Internet, kein Ratschlag eines guten Freundes ist so richtig wie Ihr eigenes Wohlbefinden bei der Suche nach dem geeigneten Arzt. Ein Vertrauen förderndes Erstgespräch mit Ihrem neuen Fachmediziner vor der Behandlung sollte ebenfalls dazu beitragen.

ANHANG – Linksammlung

Die unten aufgelisteten Internet Links zu Suchportalen stellen keine Empfehlung, Bewertung oder gar Ranking unsererseits dar. Die Liste zeigt lediglich die heutigen Google Ergebnisse mit dem Schlagwörtern „Arztsuche“ bzw. „Arzt Portal“

Ohne Bewertungen:

Mit Bewertungen, subjektiv:

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