Anatomy art by Leonardo Da Vinci from 1492

Museen und Ausstellungen zur Medizingeschichte, speziell der Prothetik

Die Geschichte der Prothetik reicht mindestens 4.000 Jahre zurück, belegt durch ägyptische Grabfunde wie beispielsweise die gut erhaltene Zehenprothese aus Holz und Leder einer Mumie. Um im Heute mit Robotertechnologie und Hightech-Endoprothese aus dem 3D-Drucker anzukommen, beschritten Wissenschaftler einen langen Weg.

Eine ganze Reihe von Quellen listet die Meilensteine der Medizintechnik auf: Die berühmte eiserne Hand des legendären Ritters Götz von Berlichingen (1480–1562), die ebenfalls eiserne Hakenprothese des berüchtigten Piraten Barbarossa Horuk, die bewegliche Armprothese, eine Erfindung des Berliner Zahnarztes und Chirurgietechnikers Peter Baliff (1812) oder den „Sauerbruch-Arm“ mit „Hüfner-Hand“ für Versehrte des Ersten Weltkriegs.

Die moderne Prothetik mit industrieller Fertigung begann bereits nach dem Ersten Weltkrieg und entwickelte sich mit den mechanischen und materialtechnischen Möglichkeiten rasant weiter. In ihren Laboren arbeiten Experten heute an Ersatzteilen aus körpereigenem Material, das an die Muskeln und Nervenbahnen angeschlossen ist und Befehle aus dem Gehirn ebenso umsetzen kann wie das Original.

Bei aller Faszination für die neue Welt der Neuroprothetik lohnt sich der Blick auf die historische Entwicklung der Medizintechnik. In zahlreichen Kliniken, Ärztehäusern und Medizintechnikunternehmen finden sich Vitrinen mit einst bewährten Körperersatzteilen, Operationsbesteck oder orthopädischen Hilfsmitteln. Wer gezielt museale Sammlungen mit ausführlichen Informationen besuchen oder sich durch diese führen lassen möchte, kann aus wenigen spezifischen Angeboten wählen.

Die erste Empfehlung für dieses Themengebiet ist das Deutsche Orthopädische Geschichts- und Forschungsmuseum in Frankfurt am Main. Dieses gibt Einblicke in die Geschichte des menschlichen Körpers, seinen Wandel im Laufe des Lebens, Erkrankungen der Bewegungsorgane, die Behandlung aus historischer und aktueller Sicht, die Versorgung mit Prothesen, die Geschichte der Orthopädie und ihren Vorläufern als wissenschaftliche Disziplin sowie die Sozialgeschichte der „Krüppelfürsorge“. Das orthopädische Museum versteht sich laut Homepage als wissenschaftliches Fachgedächtnis. „Es ist ein Ort der Erforschung, Dokumentation und Bewahrung der Geschichte der Orthopädie und ihrer angrenzenden Gebiete.“ Nach einem Umbau der Schauräume präsentiert sich die umfangreiche Sammlung seit Januar 2018 in runderneuertem Gewand. Hier ist die Entwicklungsgeschichte der Prothetik bis in die Gegenwart anschaulich aufbereitet. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10-12 Uhr, der Eintritt ist frei.

Als weitere Adressen hierzulande wollen wir Ihnen das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden mit der Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ und das Medizinhistorische Museum der Charité in Berlin nennen. In Zusammenarbeit mit der TU Berlin hat das Deutsche Hygiene-Museum Artefakte zur Prothetik gesammelt und im Projekt „Anthropofakte“ aufbereitet. Die Ergebnisse können auch als Publikation (Körpergeschichten – Eine Sammlung zur Prothetik) erworben werden. In der Dauerausstellung „Dem Leben auf der Spur“ bietet das Museum der Charité einen Gang durch 300 Jahre Medizingeschichte.

Schließlich möchten wir Sie noch auf drei Sammlungen in Bayern aufmerksam machen. Im MAN Museum in Augsburg können Sie neben vielen anderen technischen Produktlinien auch historische Arm- und Beinprothesen bestaunen. In Würzburg empfehlen wir Ihnen die Prothesensammlung „Second-Hand“ im Zentrum Bayern Familie und Soziales. Lassen Sie sich nach Terminvereinbarung durch eine spannende Dauerausstellung führen. Auf Anfrage können sich Interessenten auch über die medizintechnische Sammlung von etwa 500 Exponaten des Deutschen Museums in München informieren, die aktuell nicht ständig ausgestellt wird.

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