Erfolgsgeschichte Gelenkersatz

Erfahrungsbericht. Mein Leben mit zwei künstlichen Gelenken – Teil 3: Eine ganz neue Lebensqualität

In den letzten beiden Wochen hat uns Frau U. berichtet, warum sie ein künstliches Kniegelenk und ein künstliches Hüftgelenk hat. Außerdem haben wir sie gefragt, wie die Operationen und Nachbehandlung verlaufen sind. Diese Woche möchten wir von ihr wissen, wie sie mit den Ersatzgelenken zurechtkommt und wie zufrieden sie nach den Operationen ist.
Wie hat sich Ihr Leben nach der letzten Operation verändert?

Ich kann seitdem wieder alles machen, wozu ich Lust und Laune habe. Ich fahre Fahrrad, ich tanze regelmäßig. Gelegentlich mache ich Wanderungen und auch 10 km Nordic Walking sind möglich. Außerdem haben mein Lebensgefährte und ich begonnen, uns ein älteres Haus auszubauen – das wäre vorher schlicht undenkbar gewesen. Sogar Inlineskaten darf ich, da ich es vorher schon gemacht habe. Aber auch längeres Stehen im Chor bereitet mir keine Probleme mehr und gelegentlich kann ich höhere Schuhe tragen.

Gibt es dabei gar keine Einschränkungen?

Doch, die Probleme bei der Außenrotation sind geblieben, so dass zum Beispiel Fußnägel pflegen schwierig ist. Seit dem Knieersatz darf ich auch nicht mehr knien, aber das ging auch vorher schon nicht. Abrupte Start- und Stopp-Bewegungen darf ich auch nicht machen, das heißt, Alpin Ski, Tennis und leider auch Tischtennis sind keine geeigneten Sportarten für mich.

Wenn Sie heute auf die Operationen zurückblicken: Sind Sie zufrieden?

Ich habe keine der Operationen bisher bereut und bin auch froh, dass ich sie so zeitig habe machen lassen, da es vorher keine Lebensqualität mehr war. Seit 2012 habe ich mich auch keiner OP mehr unterziehen müssen, während ich vorher fast jährlich  auf dem OP-Tisch lag. Insgesamt hatte ich 15 gelenknahe und Gelenkoperationen – jedes Mal mit Vollnarkose.

Wie groß ist inzwischen der Bewegungsumfang der beiden Gelenke?

Meine Hüfte kann ich jetzt 135° beugen. Beim Knie bin ich bei 120°. (Anm. d. Red.: In dieser Altersgruppe sind bei der Hüfte ca. 120° und beim Knie 130° Flexion üblich.)

Nehmen Sie noch Schmerzmittel?

Ich habe inzwischen die Schmerzmittel deutlich reduziert. Durch die korrigierte Beinlängendifferenz bereitet mir meine Wirbelsäule Probleme. Deshalb gehe ich auch noch regelmäßig zur Physiotherapie und mache jedes Jahr eine zweiwöchige stationäre Schmerztherapie.

Welche Prognose wurde Ihnen zur Lebensdauer der Implantate gegeben?

Beim Knie dauert es etwa 10–15 Jahre bis zur Revision, bei der Hüfte etwa 15–20 Jahre. Einige künstliche Gelenke halten sogar länger als 30 Jahre. Ich bin also optimistisch, dass ich noch einige Jahre bis zur Revision habe.

In welchen Abständen und wie wird der Sitz der Implantate überprüft?

Am Anfang war die Nachkontrolle alle 6 Monate, inzwischen nur noch einmal jährlich. Dabei werden die Beweglichkeit und die Schmerzfreiheit geprüft, nur im Zweifelsfall wird geröntgt, um die Strahlenbelastung niedrig zu halten. Mein großes Glück ist, dass Dr. Klima mittlerweile auch mein ambulanter Orthopäde ist. Die Fahrt nach Leipzig nehme ich dafür gern in Kauf.

Welche Tipps können Sie anderen Betroffenen für die Gelenkersatzoperation geben?

Sie sollten auf alle Fälle den Einsatz einer Totalendoprothese wagen, wenn keine Besserung mehr in Sicht ist. Es ist dabei von Vorteil, wenn man den Operateur schon kennt. Falls man noch keinen entsprechenden Spezialisten hat, dann sollte man sich auf alle Fälle mehrere Meinungen einholen und zu einem Arzt gehen, zu dem man Vertrauen hat.

Und für die Zeit danach?

Die Betroffenen sollten unbedingt die Anschlussheilbehandlung mitnehmen. Das war für mich sehr hilfreich. Und dann sollte man sich auch immer noch ein bisschen was zutrauen, denn Gelenke werden schlechter, wenn man sie nicht benutzt. Das heißt, man muss einen guten Mittelweg zwischen Schonung  und Belastung finden.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Frau U. für das offene Gespräch und wünschen ihr alles Gute für die Zukunft!

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1 thought on “Erfahrungsbericht. Mein Leben mit zwei künstlichen Gelenken – Teil 3: Eine ganz neue Lebensqualität”

  1. Hallo Sylvia, meine Mutter hatte kürzlich ihre erste Hüftprothese. Sie gewöhnt sich langsam daran, damit zu leben. Vielen Dank für Ihren Artikel und Details zu den Kontrollen und Veränderungen der Prothese. Ich hoffe, meine Mutter wird sich daran gewöhnen.

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