Beispielimplantate für Hüftgelenkersatz: Femurschaft, Hüftkopf, Inlay mit Beckenpfanne

Präoperativ planen in 3D? Vorurteile in der Endoprothetik – Teil 2: Verfügbarkeit von Implantatschablonen

In unserer Reihe „Vorurteile in der Endoprothetik“ haben wir letzte Woche das Vorurteil zur Komplexität und Dauer einer dreidimensionalen präoperativen Planung näher untersucht. Nun kommen wir zum zweiten Teil:
2. Vorurteil: Für 3D-Planungen stehen zu wenige Implantatschablonen zur Verfügung.
Der Anwender hat Zugriff auf eine Datenbank mit Implantaten aller gängigen Hersteller, welche stetig erweitert wird.

Wenn man rein von der Anzahl an Einzelimplantaten ausgeht, trifft diese Aussage zu. Aber entgegen dem, was mancher Hersteller für das Werbeinstrument schlechthin hält, ist die Zahl der verfügbaren Implantatschablonen nicht entscheidend. Kaum ein Chirurg hat Erfahrung mit allen Implantatherstellern. In der Regel legt sich eine Klinik auf eine Handvoll Anbieter fest und die operierenden Chirurgen werden in der Verwendung dieser Implantate geschult.

Ein weiterer Aspekt ist der begrenzte Lagerplatz der Kliniken für Implantate. Stellt man sich einen kompletten Satz des künstlichen Hüftgelenks vor, bestehend aus Pfanne, Inlay, Kopf und Femurschaft, und multipliziert diesen mit den jeweils möglichen Größenoptionen von durchschnittlich 1-10, dann erhält man eine Vorstellung davon, wie viel Raum ein Krankenhaus in einem Sterillager zur Verfügung stellen muss. Des Weiteren können hier noch Implantatsysteme anderer Hersteller und  weitere Ausprägungen zur Standardkomponente hinzukommen. Beispielsweise kann mit der 3D-Planung der Markraum des Femurs und die Knochendichte beurteilt und so auch Femurschäfte mit spezieller Formgebung (anatomisch, kurz) sehr genau eingebracht werden. Darüber hinaus müssen weitere Gelenktypen wie künstliche Kniegelenke berücksichtigt werden, deren Vielfalt noch höher ist.

Aus Sicht eines Implantatherstellers ist es zudem auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Wenn man sich vorstellt, dass jeder Kunde immer eine bestimmte Anzahl von Implantaten auf Lager gehalten werden muss, die bei Änderungen an Design, Oberfläche und ähnlichem auch gelegentlich ausgetauscht werden muss, erkennt man, dass dies einen sehr hohen Anteil an gebundenem Kapital und Wartungsaufwand nach sich zieht. Eine Lösung hierfür ist, patientenspezifisch direkt vor der OP die Materialien zu bestellen, die im OP benötigt werden. Die Verwirklichung dieses Szenarios setzt eine präzise präoperative Planung voraus. Die Software modiCAS||3D mit der zugehörigen herstelleroffenen Datenbank enthält die in Deutschland gängigsten Implantate und bietet die Basis für einen automatisierten Bestell- und Liefervorgang.

Ein weiterer Grund dafür, dass die Zahl der verfügbaren 3D-Implantate geringer als die 2D-Schablonen ist, dass vor allem kleinere Implantathersteller nicht bereit sind, ihre Daten einem Drittanbieter zur Verfügung zu stellen. Zu hoch ist die Angst, dass damit das geistige Eigentum aus der Hand gegeben wird oder gar Implantate nachgedruckt werden. Dazu sei gesagt, dass Softwareunternehmen wie die modiCAS GmbH und ihre Muttergesellschaft 4 Plus mit 20 Jahren Erfahrung in der Medizintechnik, die Implantatdaten nach dem aktuellsten Stand der Technik sicher verschlüsseln. Hinzu kommt, dass heute auch nicht mehr nur die Form der Implantate entscheidend ist, sondern sich die Werkstücke zunehmend durch spezifische Materialeigenschaften und Oberflächenbeschaffenheiten unterscheiden. Das sind beide Merkmale, die bei der Bestimmung von Größe und Lage des Implantats im Körper keinen hohen Stellenwert haben und somit auch in den digitalen Implantatdaten nicht benötigt werden.

Aber auch der Aufwand für den Implantathersteller, die Daten aufzubereiten und in einem Datenformat zur Verfügung zu stellen, welches für eine Planungssoftware lesbar ist, ist nicht zu unterschätzen. An dieser Stelle wird dem Hersteller Unterstützung angeboten, denn die komplette Datenaufbereitung wird auf Wunsch von der Firma modiCAS übernommen.

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