Nickelallergie

Allergien in der Endoprothetik

Unverträglichkeiten gibt es viele, kaum einer, der nicht in irgendeiner Form auf etwas allergisch reagiert, und sei es auch nur ganz leicht. Neben den Klassikern Hausstaub- und Pollenallergien treten in unserer Gesellschaft auch vermehrt Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf, unter Umständen als „nette“ Ergänzung zu den Klassikern, sogenannte „Kreuzallergene“. Da ist die Rede von Laktose, Gluten, Fruktose, Histamin und Glutamat.

Im Gegensatz dazu spricht jedoch kaum jemand mehr über Metallallergien. Die häufige Nickelallergie, wegen der sich Frau früher die Gürtelschnalle mit Klarlack überstrichen hat, um direkten Hautkontakt zu vermeiden, ist kaum mehr Thema. Vor allem und glücklicherweise deswegen, weil Nickel aus beispielsweise Schmuck, Gürtelschnallen oder Brillengestellen weitestgehend verschwunden ist. Dennoch besteht die Allergie weiterhin, etwa 13 % der Menschen reagieren darauf, Frauen bedeutend häufiger als Männer.

Doch was hat das Ganze mit Endoprothetik zu tun? Eine weitere Unverträglichkeit, die auf Metalle zurückzuführen ist, ist die Reaktion auf Kobalt (3 %) und Chrom (1 %). Endoprothesen müssen besonders belastbar und langlebig sein und bestehen aus Kobalt-, Chrom- und Titan-Legierungen. Neben den Metallkomponenten für Femurschaft und Tibia bestehen moderne Gleitpaarungen aus zwei weiteren Stoffen. Inlays für die Hüftpfanne und der Meniskusersatz am Knie sind aus hochvernetztem Polyethylen. Hüftköpfe können auch aus Metall gefertigt werden, sehr häufig werden aber Keramikköpfe implantiert.

Die Auswirkungen von Allergien zeigen sich normalerweise nach spätestens zwei bis drei Jahren als Hautreaktionen wie z.B. Ekzeme oder Schmerzen. Beides kann jedoch auch durch bakterielle Entzündungen hervorgerufen werden. In schlimmeren Fällen können Wundheilungsstörungen oder Implantat-Lockerungen auftreten. Indikator für Metallallergien ist die Bildung von speziellen weißen Blutzellen. Heute gehört die Untersuchung auf Allergene zur präoperativen Diagnostik.

In den vergangenen 40 Jahren hat die Materialwissenschaft sehr gute Lösungen für Allergiker entwickelt. Um den Kontakt des Metalls mit dem Zellgewebe zu vermeiden, werden auf das Ausgangsmaterial Multilayer-Oberflächenbeschichtungen zur Reduktion der Metallionenabgabe aufgebracht bzw. die Oberflächen verhärtet oder keramisiert. Eine weitere Alternative ist die Verwendung von Bauteilen aus reinem Polyethylen oder Vollkeramik.

Die Kehrseite der Medaille sind wesentlich höhere Kosten, die sich jedoch in dem Moment relativieren, wenn dadurch Komplikationen mit Patientenleiden bis hin zum aufwändigen Implantataustausch vermieden werden können.

Neben den Metallen können auch Bestandteile des Knochenzements und insbesondere darin verwendete Antibiotika zu allergischen Reaktionen führen. Dies kann jedoch leicht vermieden werden, indem der Anteil des Knochenzements reduziert wird und z.B. Femurschaft-Implantate verwendet werden, die keinen Zementmantel benötigen. Besondere Oberflächenbeschaffenheiten und Zusätze wie z.B. Vitamin E erleichtern dabei das Einwachsen in den natürlichen Knochen.

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